Der Bierjunge stellt zwei gegeneinander. Das Münchener Dreieck stellt vier füreinander ein.
Wer trinkt, wird arglos. Wer arglos wird, braucht jemanden, der es nicht ist. Das ist die ganze Erfindung — und sie ist zweihundert Jahre alt, weil sie funktioniert.
Der Wachhabende geht nicht leer aus und steht nicht unter den anderen. Er trinkt zuletzt, und ihm gilt das letzte Wort des Brauchs. Es gibt keinen Verlierer im Dreieck. Es gibt nur eine Reihenfolge.
Im Feld hieß Trinken: den Uhu vom Ast bolzen. Ein Schuß, ein Treffer, ein Vogel weniger — und drei Augenpaare weniger, die aufpassen.
„Liebste Mutter! Der Franzos treibt uns hart. Gestern, nach hitzigem Gefecht, ward der Durst unerträglich, doch niemand von uns wollte als erster den Uhu vom Ast bolzen. So hielten wir es wie stets: Wir Drei leerten in einem Zuge, derweil der Schorschi im Schlamme Wacht hielt und keinen Blick vom Waldrand ließ. Danach war er an der Reihe, und wir dankten ihm, wie es sich gehört. Es ist ein guter Brauch, Mutter. Er hält uns zusammen und wach zugleich.“
Weil der Trupp so aussah. Ein Trupp der bayerischen Armee zählte 1813 vier Mann — drei Ranghöhere, einen Rangniederen; das Verhältnis war umgekehrt zu heute, denn es standen schlicht mehr Leute unter Waffen. Vier Mann, vier Krüge, ein Waldrand.
Die Ränge sind der historische Beleg, nicht der Sinn der Sache. Wer heute das Dreieck schlägt, fragt nicht nach Dienstgraden. Er fragt nur: Wer paßt auf?
In einer Münchener Verbindung wurde der Brauch besonders gründlich wiederentdeckt — und von dort aus verbreitet er sich seither in einer Geschwindigkeit, die niemand vorhergesehen hat. Bräuche wachsen eben nicht linear, sondern rundenweise: Vier Mann, von denen jeder wieder in Runden sitzt.
Böse Zungen behaupten, es sei dort überhaupt erst erfunden worden. Was natürlich Quatsch ist — erfunden wurde es 1813 vor Hanau. Man kann das in der Chronik nachlesen.
Erhebungsmethode: Zuruf. Grundgesamtheit: schwankend. Fehlerbalken: nach dem dritten Dreieck nicht mehr erhoben.